1 Goltijar

Publikationsbasierte Dissertation

Die geltenden Promotionsordnungen zum Dr. phil. und Dr. rer. pol. gestatten es allen Promovierenden, in Absprache mit ihren Betreuer*innen entweder

  • eine unveröffentlichte oder in Teilen veröffentlichte Monographie oder
  • eine kumulative Arbeit, die aus veröffentlichten und/oder unveröffentlichten Einzelarbeiten besteht und die in ihrer Gesamtheit eine einer Monographie gleichwertige Leistungen darstellen muss,

als Dissertation einzureichen.

Einige Bedingungen, die kumulative Dissertation erfüllen muss, sind in § 7(2) der Promotionsordnung enthalten. So müssen bereits veröffentlichte Einzelarbeiten in wissenschaftlichen Zeitschriften mit Begutachtungssystem publiziert und noch unveröffentlichte in entsprechenden Fachzeitschriften zur Publikation angenommen worden sein. Außerdem muss eine kumulative Dissertation zusätzlich zu den publizierten oder zur Publikation angenommenen Artikeln eine Liste mit den Titeln der Einzelarbeiten, eine Einleitung und verbindende Texte enthalten, die die Teile der Arbeit übergreifend interpretieren, bewerten und diskutieren. 

Die Promotionsordnung definiert jedoch nicht, anhand welcher Kriterien geprüft werden soll, ob eine kumulative Dissertation tatsächlich eine einer Monographie gleichwertige Leistung darstellt. Aus diesem Grund mussten die Promotionsausschüsse des Fachbereichs ergän­zende Beschlüsse fassen. Grundsätzlich wird jede eingereichte kumulative Dissertation einer Einzelfallprüfung auf ihre Gleichwertigkeit mit einer Monographie unterzogen. Als Orientierungshinweise für interessierte Promovierende haben die Promotionsausschüsse jedoch folgende Kriterienkataloge festgelegt:

Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft 

  • Je nach Umfang der Publikationen sind zwischen drei und fünf Artikel einzureichen, die einem gemeinsamen Themenbereich zugeordnet werden können und die durch einen Mantel (Einleitung, Überleitungen, Schlussfolgerungen) zu verbinden sind.

  • Alle Artikel müssen entweder in einer Fachzeitschrift mit Begutachtungsverfahren bereits publiziert oder zur Publikation angenommen worden sein; Publikation bzw. Annahme sind nachzuweisen.

  • Die Mehrheit der Artikel muss in Alleinautorenschaft entstanden sein.

  • Bei Artikeln, die in Co-Autorenschaft entstanden sind, muss der eigene Anteil und der Anteil des/der Co-Autor*in deutlich gekennzeichnet sein.

  • Co-Autor*innen dürfen im Promotionsverfahren nicht zu Gutachter*innen der kumulativen Dissertation bestellt werden.

Institut für Soziologie

  • Die Anzahl der Artikel soll mindestens vier betragen.
  • Die Aufsätze sollen in einem thematischen Zusammenhang zueinander stehen.

  • Die Artikel sollten in etablierten Fachzeitschriften mit Begutachtungsverfahren entweder bereits veröffentlicht oder zur Publikation angenommen worden sein.

  • Mindestens einer der Zeitschriftenartikel soll in Alleinautorenschaft verfasst worden sein. Zudem muss der Promovend/die Promovierende in mindestens zwei weiteren der Zeitschriftenartikel der Hauptautor/die Hauptautorin sein.

  • Mindestens eine(r) der beiden Gutachter/Gutachterinnen der Dissertation darf bei keinem der eingereichten Artikel Koautor/Koautorin sein.

Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

Es wurde noch kein Kriterienkatalog beschlossen.

Institut für Sozial- und Kulturanthropologie

 Fach Sozial- und Kulturanthropologie
  • Die Anzahl der Artikel soll mindestens vier betragen.

  • Mindestens zwei der Zeitschriftenartikel sollen in Alleinautorenschaft verfasst worden sein. Zudem muss der Promovend/die Promovierende in mindestens einem der weiteren beiden Zeitschriftenartikel der Ersttautor/die Erstautorin sein.

  • Die Artikel sollten in etablierten Fachzeitschriften mit Begutachtungsverfahren entweder bereits veröffentlicht oder zur Publikation angenommen worden sein.

  • Die Aufsätze sollen in einem thematischen Zusammenhang zueinander stehen

  • Der einleitende Text, welcher die in die kumulative Arbeit eingefügten Einzelarbeiten übergreifend interpretiert, bewertet und diskutiert, sollte üblicherweise zwischen 40-50 Seiten umfassen.  

  • Mindestens eine(r) der beiden Gutachter/Gutachterinnen der Dissertation darf bei keinem der eingereichten Artikel Koautor/Koautorin sein.

 Fach Visual and Media Anthropology
  • Die kumulative Dissertation in Visual and Media Anthropology besteht aus einem schriftlichen und einem medien-gestützten Teil.

  • Die Anzahl der Zeitschriftenartikel soll mindestens zwei Artikel betragen.

  • Die Artikel sollten in etablierten Fachzeitschriften mit Begutachtungsverfahren entweder bereits veröffentlicht oder zur Publikation angenommen worden sein.

  • Zudem muss der Promovend/die Promovierende in einem der beiden Artikel Alleinautor sein.

  • Der einleitende Text, welcher die in die kumulative Arbeit eingefügten Einzelarbeiten und die medien-gestützte Arbeit übergreifend interpretiert, bewertet und diskutiert, sollte üblicherweise zwischen 40-50 Seiten umfassen.

  • Der Umfang der medien-gestützten Arbeit ist wie folgt spezifiziert: Es soll entweder ein in eigener Regie geführter Film in der Länge von mindestens 45 Minuten mit Filmfestivaleinladung auf einem ethnographischen Filmfestival oder Dokumentar-Filmfestival oder auf anderen einschlägigen Filmfestivals, eingereicht werden.

  • Alternativ können zwei in eigener Regie geführte Kurzfilme, die jeweils eine Filmfestivaleinladung auf einem ethnographischen Filmfestival oder Dokumentar-Filmfestival oder auf anderen einschlägigen Filmfestivals erhalten haben, eingereicht werden.

  • Mindestens eine(r) der beiden Gutachter/Gutachterinnen der Dissertation darf bei keinem der eingereichten Artikel Koautor/Koautorin sein.

Der zuständige Promotionsausschuss prüft allein, ob die eingereichte kumulative Dissertation eine einer Monographie gleichwertige Leistung darstellt. Die inhaltliche Entscheidung über die Annahme (und anschließende Bewertung) bzw. Ablehnung der Dissertation obliegt – wie bei einer Monographie – der Promotionskommission. Promovierende, die eine kumulative Dissertation anstreben, sollten sich daher so früh wie möglich mit ihren Gutachter*innen und weiteren Kommissionsmitgliedern ins Benehmen setzen.

Nachteile der kumulativen Promotion

Im Allgemeinen reicht es nicht aus, einen Artikel im Internet an beliebiger Stelle oder in unbekannten Zeitschriften zu veröffentlichen. Gefragt sind vielmehr Publikationen in Fachzeitschriften, welche auch über die Grenzen Deutschlands hinweg bekannt sein sollten und ein gewisses Renommee haben. Entsprechend gut müssen Ihre Forschungsergebnisse und die dazugehörigen Texte sein, damit diese von den Verlagen veröffentlicht werden. Die auch psychischen Druck erzeugen.

In den entsprechenden Redaktionen erfolgt die Auswahl der zu veröffentlichenden Texte nach strengen Maßstäben: In sogenannten Peer-Review-Verfahren werden die eingereichten wissenschaftlichen Texte von unabhängigen Gutachtern gelesen und bewertet. Danach entscheidet sich, ob ein Text für eine Veröffentlichung im Journal taugt. Diese Verfahren können sich schnell in die Länge ziehen. Sie sollten dementsprechend viel Zeit für die Veröffentlichungen einplanen.

Koautoren erleichtern den Weg

Außerdem ist zu beachten, dass die Eigenständigkeit Ihrer Arbeit stets erkennbar bleibt. Denn nicht selten entstehen Texte mit namhaften Koautoren – auch, um eine Veröffentlichung in einer renommierten Zeitschrift zu vereinfachen. Je nach Promotionsordnung kann das aber dazu führen, dass die Texte nicht mehr für eine kumulative Dissertation infrage kommen. Informieren Sie sich daher rechtzeitig über die konkreten Anforderungen Ihrer Fakultät, und gehen Sie nicht unbedacht eine Kooperation mit anderen Autoren ein. 

Leave a Comment

(0 Comments)

Your email address will not be published. Required fields are marked *